Jubiläumsweg 750-Jahre-Gais

«Gais naturgemacht» erleben und die Umgebung wandernd erkunden.

Bahnhof

Der wandernde Bahnhof

Was für ein Volksfest am 30. September 1889, als die Strassenbahn St.Gallen-Gais eröffnet wurde. Hier an der damaligen Endstation standen ein Bahnhofsgebäude, ein Güterschuppen, eine Lokomotivremise und eine Werkstätte bereit. Schon bald wurde die Linie bis nach Appenzell verlängert und auch ins Rheintal nach Altstätten tuckerte eine Bahn. Bereits nach 20 Jahren musste der alte Bahnhof weichen und das heutige Gebäude entstand zwischen 1910 und 1913.

Und der wandernde Bahnhof? Tatsächlich wurde das alte Bahnhofsgebäude keine 8 Kilometer entfernt zwischen Appenzell und Haslen wiederaufgebaut – allerdings als Wirtschaft zum Rössli.

Hohegg

Stürmische Lage

Nicht selten pfeift der Wind hier auf der Hohegg kräftig um die Häuser. Ein Gestürme ganz anderer Art blies durch das Dorf in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Da liess das Ehepaar Dr. Schweingruber-Hütt ein Kurhaus von einem renommierten Architekten bauen. Die «Kardia» mit ihrem Pultdach und einer markanten Terrasse wurde von einigen gefeiert und von vielen verabscheut. Gut deckte es der Sturm einige Jahre später ab.

Neu bedacht eröffnete im renovierten Kurhaus 1944 das Appenzell-Ausserrhodische Altersheim «Bethanien». Wer seinen Lebensabend an dieser speziellen Lage verbringen wollte, zahlte monatlich rund 150 Franken Pension. In den Appenzellischen Jahrbüchern hiess es dazu: "Im Laufe des letzten Frühjahrs hat sich droben auf der Hohegg eine wohltuende Änderung im südlichen Blickfeld des Dorfes vollzogen (...)."

Heidenhaus

Kaum zu glauben, ein Heidenhaus

Wer heute an ein typisches Appenzellerhaus denkt, hat wohl das Kreuzgiebelhaus vor Augen. Diese Bauweise prägt das Landschaftsbild. Die ältestes noch vorhandene Hausform in der Region ist jedoch das Heidenhaus. Charakteristisch ist das sogenannte Tätschdach mit seinem weit offenen Firstwinkel. Später wurden diese Dächer steiler. In Gais – besonders auf der Hochebene in Richtung Stoss – finden sich noch vergleichsweise viele Heidenhäuser.

Woher der seltsame Name kommt? Damit wird auf das Alter der Bauform angespielt, die aus dem Hochmittelalter zwischen 1150 und etwa 1350 stammt. Dass es schon zu vorchristlichen Zeiten gebaut wurde, ist dann aber doch eher unwahrscheinlich.

Dorfplatz

Wie ein Phönix aus der Asche

Ohne Zweifel hat Gais einen bemerkenswert schönen Dorfplatz. Möglich machte dies auch ein grosses Unglück: Am 18. September 1780 zerstörte eine gewaltige Feuersbrunst den grössten Teil des Dorfes. Der Wiederaufbau gelang und den Kurgästen bot er alsbald eine einmalige Kulisse. Rund um den Platz hatten sich seit jeher Hotels um die Gäste aus nah und fern gekümmert, die den Molkenkurort gerne und zahlreich besuchten.

Heute wird Gais als idealer voralpiner Wanderort geschätzt. Familienfreundliche Wege erschliessen den Gäbris und den Sommersberg mit ihren eindrücklichen Aussichten. Im Winter ziehen Langläuferinnen und Langläufer ihre Spuren durch den Schnee.

Dorfmühle

Die Kraft des Wassers

Ein Bach, der zuverlässig genügend Wasser führt, ist die wichtigste Voraussetzung für den Betrieb einer Mühle.

Hier stand früher die Dorfmühle am rechten Ufer des Rotbachs. Heute erinnert noch der Name der Bäckerei mit ihren preisgekrönten Bibern an das ehemals knatternde Mühlenrad.

Am längsten — bis in die 1980er Jahre — wurde die Lochmühle betrieben. Heute zeugt auch der Name «Starkenmühle» im Rietli davon, dass entlang von Gewässern mehrere Mühlen mahlten.

Das Korn, das zu Mehl verarbeitet wurde, stammte übrigens schon lange nicht mehr aus eigenem Anbau. Die Müller bezogen es auf den Märkten in Rorschach und St.Gallen — ein lohnenswertes Geschäft, wie man sagt.

Friedberg

Gais macht Schule

Auf der Riesern hatte die Bildung schon früh beste Aussichten – sei es im Haus «Friedberg» oder im Gebäude schräg links dahinter. Zuerst wurde für kurze Zeit eine Privatschule für Jünglinge an dieser Stelle geführt. Nach einem Entscheid des kantonalen Parlaments leitete der Pädagoge Hermann Krüsi von 1833 bis 1944 das Seminar und gliederte ihm gleich noch eine Knaben- und Töchterrealschule an. Nach Krüsis Tod dauerte es einige Jahre bis erneut für ein paar Jahre ein Lehrerseminar auf der Riesern geführt wurde. Ab 1872 dient das Gebäude – mit einem Unterbruch – schulischen Zwecken der Gemeinde.

Zum Unterbruch: Von 1937 bis 1939 konnten dänische «Töchter» mit Blick auf den Alpstein hier eine Volkshochschule besuchen.